CLUSTER 3 · SCREENING & MONITORING

PEP-Check ohne Paranoia

Was ist eine politisch exponierte Person, wie wahrscheinlich ist sie bei Ihrer Transaktion — und was müssen Sie wirklich tun?

Von GwG-Pilot Redaktion · 13 Min. Lesezeit · ← Zurück zum Pillar Article

Praxissituation

Die Käuferin, die sich als Hausfrau vorstellt

Sie verkaufen eine Doppelhaushälfte in einem Frankfurter Vorort. Die Käuferin ist sympathisch, Mitte 50, stellt sich als Hausfrau vor. Im KYC-Fragebogen kreuzt sie bei der PEP-Frage „Nein“ an.

Zwei Wochen später, beim Notartermin, lernen Sie den Ehemann kennen. Er erzählt von seinem Job — er ist Finanzvorstand bei einem großen Staatsunternehmen.

Die Käuferin ist ein PEP. Nicht weil sie selbst ein Amt hat — sondern weil ihr Ehemann eines hat. Und Sie haben die verstärkten Sorgfaltspflichten nicht angewandt.

Das hätte nicht passieren müssen.

Was ist eine PEP? Die Definition ohne Juristendeutsch

Eine politisch exponierte Person ist jemand, der ein hochrangiges öffentliches Amt ausübt oder ausgeübt hat. Die Idee: Menschen in Machtpositionen haben mehr Gelegenheit zur Korruption — deshalb schaut man genauer hin.

Zu PEPs gehören insbesondere:

Staatsoberhäupter, Minister, Staatssekretäre
Bundestags- und Landtagsabgeordnete
Richter an obersten Gerichten, Rechnungshof-Mitglieder
Botschafter, hochrangige Offiziere
Führungspositionen bei staatlichen Unternehmen (Stadtwerke, Landesbanken etc.)
Bürgermeister größerer Städte, Landräte

Dauer: PEP-Status gilt mindestens 12 Monate nach Ausscheiden aus dem Amt (§ 15 Abs. 7 GwG). Danach: risikoorientierte Entscheidung.

Die vergessene Kategorie: Familienangehörige

Hier liegt die häufigste Falle für Makler.

Familienangehörige eines PEP haben denselben Risikostatus:

Ehepartner oder eingetragene Lebenspartner
Kinder und deren Ehepartner
Eltern

Die Ehefrau eines Bundestagsabgeordneten ist ein PEP — auch wenn sie selbst Hausfrau ist. Der erwachsene Sohn eines Landesministers ist ein PEP — auch wenn er als Softwareentwickler arbeitet.

💡 Geschwister sind NICHT automatisch erfasst. Nur bei erkennbarer Nähebeziehung (gemeinsame Geschäfte, Strohmann-Verdacht).

Realitätscheck: Die typischen PEPs im Makleralltag

Vergessen Sie den Oligarchen. Das sind die PEPs, die Ihnen wirklich begegnen:

1. Der Lokal-Matador

Bürgermeister, Dezernenten, Landräte. Lokal bekannt, nicht national prominent. Kaufen Häuser in ihrer Region.

2. Der Hinterbänkler

Landtags- und Bundestagsabgeordnete. Völlig unbekannt, nie in der Tagesschau — aber voller PEP-Status.

3. Der Diplomat

Botschaftsangehörige, Konsuln, Mitarbeiter internationaler Organisationen. In Frankfurt (EZB), Berlin (Botschaften), Bonn (UN) normal.

4. Die Familie — die häufigste Überraschung

Die Architektin, deren Mann Finanzvorstand der Stadtwerke ist. Diese Konstellation übersehen Makler am häufigsten.

Der PEP-Fragebogen: Die richtige Frage stellen

Die meisten Makler fragen: „Sind Sie eine PEP?“ — das ist zu eng. Viele wissen nicht, was eine PEP ist, und die Frage erfasst keine Familienangehörigen.

✓ Die bessere Formulierung:

„Üben Sie oder ein naher Angehöriger (Ehepartner, Kinder, Eltern) ein wichtiges öffentliches Amt aus oder haben dies in den letzten zwölf Monaten ausgeübt?

Wichtige öffentliche Ämter sind insbesondere: Regierungsmitglieder, Staatssekretäre, Abgeordnete, Richter an obersten Gerichten, Führungspositionen bei staatlichen Unternehmen, Botschafter, Bürgermeister größerer Städte, Landräte.

☐ Ja, und zwar: _____________    ☐ Nein

Was Sie bei einem PEP tun müssen: 4 Schritte

Schritt 0: Ruhe bewahren. Ein PEP ist kein Krimineller. Es ist völlig legal, mit PEPs Geschäfte zu machen.

1 Geschäftsleitungs-Genehmigung einholen
Pflicht nach § 15 Abs. 4 GwG. Einzelmakler = eigene Entscheidung dokumentieren. Größere Büros = GF muss unterschreiben.
2 Vermögensherkunft klären
Passt der Kaufpreis zum Vermögensprofil? Landrat kauft Haus für 400k = plausibel. Landrat kauft Villa für 2 Mio = nachfragen. Akzeptabel: Erbschaft, Verkaufserlöse, Selbstauskunft.
3 Transaktionsüberwachung verstärken
Kommt der Kaufpreis vom PEP-Konto? Oder zahlt plötzlich ein Dritter — Bauunternehmer, Offshore-Gesellschaft? Wenn unerwartet: nachfragen.
4 Alles dokumentieren
PEP-Status, Art des Amtes, Genehmigung mit Datum+Unterschrift, Vermögensherkunfts-Prüfung, Risikobewertung. 30 Minuten Mehraufwand pro Transaktion.

Darf man einen PEP ablehnen?

Dürfen Sie ablehnen? Ja, Vertragsfreiheit. „Der Aufwand ist mir zu hoch.“
Müssen Sie ablehnen? Nein. Geschäfte mit PEPs sind legal und oft lukrativ.
Wann MÜSSEN Sie ablehnen? Nur wenn: der PEP die Vermögensherkunft verweigert ODER die Erklärungen absolut unplausibel sind. → Verdachtsmeldung prüfen.

PEP-Checkliste für Makler

🔍 Bei der Identifizierung

PEP-Frage gestellt (inkl. Familienangehörige)
Antwort dokumentiert
Bei „Ja“: Welches Amt? Seit wann? Aktiv oder ehemalig?
Kurze Google-Recherche (Name + Partei/Amt)

⚡ Bei positivem PEP-Status

Geschäftsleitungs-Genehmigung eingeholt + dokumentiert
Vermögensherkunft erfragt + plausibilisiert
Zahlungsfluss beobachtet (kommt Geld vom PEP-Konto?)
Risikobewertung festgehalten

Häufige Fragen

Muss ich jeden Kunden aktiv auf PEP-Status recherchieren?

Nein. Im Regelfall reicht die Selbstauskunft. Eine PEP-Datenbank ist sinnvoll, aber nicht vorgeschrieben.

Was wenn der Kunde bei der PEP-Frage lügt?

Wenn Sie keine Anhaltspunkte hatten: Sie haben Ihre Pflicht erfüllt. Sie haben gefragt, dokumentiert — die Verantwortung liegt beim Kunden.

Ist der Ehemann einer Ministerin auch ein PEP?

Ja. Familienangehörige ersten Grades haben denselben Risikostatus.

Was ist mit dem Bruder eines PEP?

Geschwister sind nicht automatisch erfasst. Nur bei erkennbarer besonderer Nähebeziehung.

Muss ich den Notar über den PEP-Status informieren?

Nein, nicht Ihre Pflicht. Der Notar hat eigene GwG-Pflichten. Aber ein Hinweis schadet nicht.

Fazit: Respekt ja, Paranoia nein

PEPs sind keine Monster. Sie sind Menschen mit öffentlichen Ämtern, die Immobilien kaufen wie andere auch. Der Unterschied: Sie schauen genauer hin, fragen nach der Vermögensherkunft, holen die Geschäftsleitungs-Genehmigung ein.

Die häufigste PEP-Falle ist nicht der Oligarch. Es ist die freundliche Käuferin, deren Ehemann Vorstand eines Staatsunternehmens ist. Fragen Sie richtig. Dokumentieren Sie alles. Und dann machen Sie das Geschäft.

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Rechtlicher Hinweis: Dieser Artikel dient der allgemeinen Information und stellt keine Rechtsberatung dar.

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